Gerbverfahren - Hirngerbung

Es gibt viele verschiedene Arten mit Hirn (ersatzweise auch Seife+Öl, Ei,usw.) zu gerben. Mit oder ohne das Äschern, Feucht- oder Trockenschaben, Weichmachen an einer Schnur oder in einem Rahmen, usw.

Der folgende Text beschreibt eine Feuchtschabmethode mit anschließendem Weichmachen anhand einer Haut eines Weißwedelhirsches mit etwa 80 kg Lebendgewicht (vergleichbar mit stärkerem Damwildhirsch).
(Ich möchte allerdings verstärkt darauf hinweisen, dass die Punkte nur dazu dienen sollen eine Vorstellung der Gerbung zu erhalten. Das Gerben ist en Handwerk welches sich nicht mal schnell erklären läßt. Dazu empfehle ich die Anschaffung des Buches von Matt Richards "Deerskins into Buckskins" und auch seine DVD bzw. am besten einen Gerbkurs.)

1.) Decke (Jägersprache für Fell) beschaffen. Sie werden meistens weg geschmissen, daher einfach vom Jäger zu bekommen. Wichtig beim Abziehen der Decke ist, dass nicht in die Haut geschnitten wird. Schneidet man in die Decke kann es beim Abschaben sein, dass der Schaber in den Schnitt fährt und ein riesen Loch entsteht.

2.) Fleischseite grob vom Fleisch, Fett, usw. befreien (25 min). Dazu braucht man ein geeignetes, stumpfes Schabwerkzeug  , eine Schürze und einen Gerbbaum. Der Gerbbaum misst 15-20 cm im Durchmesser und besteht z.B. aus Buche, Eiche, Birke.
- Photo vom Gerbbaum - 

3.) In Holzasche legen für ca. 3 Tage

4.) Auf der Fellseite Haare, Oberhaut und Narbenschicht abschaben, auf der Fleischseite Unterhaut abschaben (2,5 Std.).
- Photo Oberhaut abschaben - 

5.) Wässern für ca. 2 Tage (variiert je nach Temperatur)

6.) Auswringen, bis kein Tropfen mehr aus der Rohhaut kommt (30 min).
- Photo Auswringen - 

7.) Ca. 350 g Hirnmasse mit 2 l warmen (nicht heiuß!) Wasser mischen und in die Rohhaut ein paar Minuten einmassieren und ca. 15 min ziehen lassen

8.) Erneutes Auswringen (30 min).

9.) Weichmachen (4 Std.). Hier geht es darum, das Zusammekleben der Fasern beim Trocknen der Haut zu verhindern. Die Haut wird einige Stunden lang in alle Richtungen gezogen bis sie vollkommen trocken ist. Man kann das über dem Knie machen, auf einem Gerbrahmen, an einem Stahlkalbel...

10.) Danach sollte die Haut geräuchert werden, um sie gegen die Witterung zu imprägnieren. Ich nähe oder klebe ein oder meistens zwei Leder zu einem Sack zusammen, der unten offen ist, so dass Rauch hinein kann. Das Leder sollte auf keinen Fall zu heiß werden, daher ist es ratsam den Sack unten zu verlängern (z.B. durch alten Baumwollstoff).

11.) Hoffentlich in die Luft springen und sein Ergebnis bewundern.

Was mich so fasziniert und jedes Mal wieder zutiefst erstaunt ist die Verwandlung von einer eher ekeligen, schlapprigen Rehdecke in ein unglaublich schönes, funktionelles Leder. Ich hoffe Euch gehts genauso.
Frohes Gerben,
Fabian Mayer

PS
Wenns nicht klappt mit dem Hirngerben, gebe ich Euch gerne einen Kurs. Den Prozess des Hirngerbens erlent man am einfachsten, schnellsten und besten, wenn man es sieht/persönlich erklärt bekommt.

 


24.2.05 - Seite erstellt von Fabian Mayer
Copyright bei Fabian Mayer.

countercountercountercountercounter